Antrittsbesuch bei Campi

September 2007 - jeder der meint etwas von Kunst zu verstehen fährt nach Kassel und feiert die Documenta ab. Angetrieben von den Jugenderinnerungen des Doktors und des Präsis wurde trotz der Proteste des Kükens beschlossen, den fälligen Antrittsbesuch in Kampis neuer Wohnung mit diesem ähem nennen wir es mal „Ereignis“ zu kombinieren… Während Quasti lieber zu Hause die Kinder hütete (ihm war der ganze Rummel wahrscheinlich zu kommerziell) traf sich der Rest der Full Members bei Kampi. Nach der obligatorischen Wohnungsbesichtung (wir sind immer noch von dem Spiegel im Schlafzimmer beeindruckt!) und einigen Willkommensbieren gab’s erstmal ein lecker Lachsgericht und im Anschluss wurde das Kunstverständnis in weiser Voraussicht mit einigen Mojitos erweitert. Doch nun lest gebannt wie der Präsi die hohe Kunst empfand:
Das Beweisfoto - wir haben die Tickets
Was wir dann zu sehen bekamen waren nicht nur goldene Werke – das war Scheiße! Mit unseren Clubshirts waren wir sicher einer der heimlichen Höhepunkte des Tages und auch das „Präsi der Gemütlichkeit“ zog einige bewundernde Blicke auf sich. Der Doktor schoss aber den Vogel ab. Als erstes musste ihn der Präsi aus den Klauen eines Laberterriers vom Kunstverein Frankfurt losdiskutieren („Den germanischen Gott auf dem T-Shirt? Ist das ein politisches Statement?“) – unter Einsatz der eigenen geistigen Gesundheit („Und wie wirkt dieses Werk auf Sie?“ – Gedanke: „Werk welches Werk?“, Antwort: „ Für mich drückt das Werk Hoffnung aus!“). Später wurde er dann von einem asiatischen Kunststudenten angesprochen (ernannte sich siebzig, zumindest war das seine Mail-Adresse), der eine Ausarbeitung über bedruckte T-Shirts schreibt. Mal sehen, ob unsere Fotos in der Arbeit veröffentlicht werden. Sehr gut kam übrigens auch die alte „Wir-starren-mit-mehreren-Leuten-gebannt-und-fasziniert-auf-eine-weiße-Wand“-Nummer an:
Weißstudie Nr. 666
Ach ja, fast hätte ich es vergessen, Gerd, den Bruder der Mutter (ist er dann unser Onkel?) haben wir auch noch getroffen. Er zeigte sich ähnlich beeindruckt von dem Ambiente wie wir. Hier noch einige Rezensionen zu den nach meiner Meinung wichtigsten Werken:

- Auf einem Video sind Kinder zu sehen, denen ein Naturjoghurt über den Kopf gekippt wird – Anklage oder Verherrlichung? Ich fand’s Kacke!

- Ein „Künstler“ hat seinen Penis in verschiedenen Ausdehnungsstadien fotografiert – was soll daran Kunst sein, das macht doch jeder! [Also zumindest der Präsi scheint das auch zu fotografieren, das sollte man nicht verallgemeinern.]

- Zwei weiße Podeste, auf denen je eine ausgezogene Jeans mit Unterhose lag. Sah ein bisschen aus wie zu Hause vorm Bett – nur das dort nicht als Kunst sondern Unordnung gilt.

- Der klaustrophobische Ghost Truck – ein LKW-Auflieger in einem schlecht beleuchteten Raum. Für mich ein einziges Sicherheitsrisiko! Oder etwa die Anklage gegen die desolate Situation im paneuropäischen Gütertransport?

- Ein Ölbild, das zwei blutverschmierte nackte Herren in entspannter Haltung zeigt. Ach ja und einer lässt sich die Kimme von einem Känguru lecken… Das war der Punkt wo ich ernsthafte Zweifel bekam.

- Eine Videoinstallation des WM-Endspiels 2006 auf mehreren Monitoren. Und da gibt es doch tatsächlich welche, die sich auch noch davor setzen (und ich vermute nicht, weil sie das Spiel interessierte). Der Verarschungsverdacht erhärtete sich.

- Ein Video, das einen Tiger zeigt, der eine Stoffschlange zerfetzt. Halloooo! Houston wir haben ein Problem…

- Diverse bestickte Tücher in einer Vitrine mit Vögeln, Ohren und anderen Dingen. Wäre ich fast dran vorbei gelaufen, wenn die Mutter mich nicht auf ein belauschtes Gespräch zweier Damen hingewiesen hätte: „Die Künstlerin stickt ja mit Ihren eigenen Haaren…“ „Ja und sie soll sich ja auf Vulvas spezialisiert haben!“ Sofort waren alle kunstbenebelten Sinne wieder wach und auch schon kurz darauf konnte das Meisterwerk ausgemacht werde – anatomisch korrekt und definitiv der Höhepunkt der gesamten Veranstaltung. Bleibt nur die Frage offen an welcher Körperstelle die Dame ihr Eigenhaar gewinnt.

Fazit I: Mann gut, dass wir nur die Abendkarte gekauft haben!

Fazit II: Es ist Kunst, wenn man jemanden davon überzeugen kann, dass es Kunst ist!

Fazit III: Lasst Euch nicht verarschen!

Kunst macht durstig
Nachdem wir vollkommen überreizt die Ausstellung verlassen hatten ging es dann ins Fiasko wo zu guter Musik gegessen und getrunken wurde. Und als Hetti dem Schlafe entrungen an den Kicker gestellt wurde jubilierten bei ihm die Lebensgeister. Kassel ist definitiv eine Reise wert und die Documenta ist ja zum Glück auch schon wieder vorbei…